Unsere Vision
ist ein Assistenzdienst, der Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen im Alltag verlässlich begleitet und ihnen ermöglicht, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Im Mittelpunkt steht dabei immer die Selbstbestimmung.
Wie es zu unserem Assistenzdienst kam
Als ich selbst vor einigen Jahren auf der Suche nach Assistenz war, fiel mir etwas Entscheidendes auf:
Es gab keinen Assistenzdienst, der sich auf Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen spezialisiert hatte. Nicht einen, der Trauma wirklich verstand in seinen Auswirkungen auf den Alltag.
Schon vor über vier Jahren kam mir erstmals der Gedanke: Vielleicht müsste es so einen Assistenzdienst geben.
Damals war das noch weit weg. Ewig weit weg. Zu viel eigene Geschichte, zu viele innere Hürden, zu viel Unsicherheit. Zu viel darf ich das überhaupt?
Ich habe in meiner Jugend selbst viel Helfergewalt erlebt. Das hat dazu geführt, dass ich lange große Angst davor hatte, selbst Assistenz in Anspruch zu nehmen. Aus diesem Grund habe ich mich zunächst für das Arbeitgebermodell entschieden. Umso überraschter war ich, wie viel möglich wurde und wie groß gleichzeitig die Lücke im System war. Denn Menschen mit komplexer Lebensgeschichte gibt es viele. Passende Assistenzangebote fast keine. Und wenn dann sind sie überlaufen und Jahrelange Wartelisten.
Im Mai 2025 habe ich mich schließlich entschieden: Ich probiere es. Die Gründung dieses Assistenzdienstes war ein langer Prozess, der viel mit meinen eigenen Überzeugungen über Hilfe, Abhängigkeit, Macht und Sicherheit zu tun hatte.
Ich lebe selbst seit über viereinhalb Jahren mit Assistenz.
Vor der Assistenz war mein Leben stark eingeschränkt. Ich war fast ausschließlich zuhause, selbst Einkaufen hat mich überfordert. Ich erschreckte mich an schlechten Tagen über 300x am Tag. Durch Assistenz habe ich mir Schritt für Schritt ein Leben aufgebaut. Heute kann ich in einem selbstbestimmten Rahmen arbeiten, gehe spazieren, ins Gym und lebe. Klingt banal, aber mein Leben bestand bis vor einigen Jahren nur aus reinem Überleben.
Was mir damals gefehlt hat, war jemand, der mir erklärt, was alles möglich ist. Dass es Budgetassistenz gibt. Dass Assistenz nicht nur „Gespräche“ sind, sondern Teilhabe ermöglichen kann. Dieses Wissen musste ich mir mühsam selbst zusammensuchen.
Was aus meiner Sicht im System bis heute fehlt, ist ein echtes Verständnis für die Auswirkungen von Traumafolgestörungen. Dazu gehören dissoziative Krampfanfälle, bei denen Menschen nicht mehr atmen. Bewegungsstörungen, bei denen Gliedmaßen nicht mehr steuerbar sind. Eine extreme Schreckhaftigkeit, die das Leben massiv einschränkt. Amnesien, mit denen Menschen leben müssen. Und immer wieder die Erfahrung, dass psychische Erkrankungen bagatellisiert werden – als „nicht so anstellen“ oder „kein Bock haben“.
Dieser Assistenzdienst ist aus einer klaren Haltung entstanden: Jeder Mensch hat ein Recht auf selbstbestimmte Teilhabe.
Traumasensible Assistenz bedeutet für uns, zu verstehen, was ein überregtes Nervensystem braucht, wenn Handlungsfähigkeit wegbricht. Sie unterstützt dort, wo das eigene Windows of Toleranz zu eng wird, zwischen Unter- und Übererregung. Menschen dürfen bei uns erleben, dass Menschen mit ihnen für ihre Rechte kämpfen. Für eine Selbstbestimmte Teilhabe und nicht erst wenn Therapien greifen.
Was wir bewusst nicht tun: Menschen retten.
Eigenmotivation ist eine Voraussetzung für Zusammenarbeit. Assistenz ersetzt keine eigene Entscheidung für das Leben, sie kann sie aber möglich machen.
Der Assistenzdienst soll klare Strukturen haben und gut vernetzt sein. Langfristig soll er in Deutschland eine feste Anlaufstelle werden für alle Fragen rund um Trauma und Assistenz werden.
Entstanden ist er aus einer Lücke. Gewachsen ist er aus Erfahrung. Und getragen wird er von der Überzeugung, dass Teilhabe kein Privileg ist, sondern ein Recht.
Eure Quendolin Winter