FAQ
Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um unsere Assistenzleistungen für Menschen mit komplexen Lebensgeschichten.
Unsere Antworten helfen dir, Unsicherheiten abzubauen und den Ablauf besser zu verstehen.
"Alles zu Assistenz"
Assistenz bedeutet Unterstützung im Alltag, die sich an euren Bedürfnissen und Entscheidungen ausrichtet. Ihr bleibt handlungsleitend und entscheidet selbst, welche Aufgaben die Assistenzperson übernimmt und in welchem Umfang. Anders als bei Betreuung geht es nicht um Kontrolle oder darum, „über euch hinweg" zu entscheiden, sondern um Begleitung auf Augenhöhe. Assistenz ist außerdem keine Therapie: Sie ergänzt bestehende therapeutische oder medizinische Angebote, ersetzt sie aber nicht.
Wir bieten drei Formen, die je nach Bedarf kombiniert werden. Kompensatorische Assistenz gleicht konkrete Einschränkungen im Alltag direkt aus – etwa Reorientierung nach dissoziativen Zuständen, Begleitung in Überforderungssituationen oder Unterstützung im Haushalt und bei Terminen. Qualifizierte Assistenz begleitet bei komplexeren Anforderungen Lernprozesse und Stabilisierung und wird ausschließlich von Fachkräften mit mindestens dreijähriger Ausbildung im Sozial- oder Gesundheitswesen erbracht. Budgetassistenz unterstützt bei den organisatorischen und administrativen Aufgaben rund um das Persönliche Budget im Arbeitgebermodell, etwa bei Abrechnung, Personalsuche und Arbeitgeberpflichten.
Wir begleiten Menschen mit seelischer Behinderung, komplexer posttraumatischer Belastung, dissoziativer Identitätsstörung oder anderen Traumafolgestörungen. Entscheidend ist nicht ein bestimmter ICD-Code oder eine laufende Psychotherapie, sondern der eigene Wunsch nach Begleitung, die alltagstauglich, traumasensibel und selbstbestimmungsorientiert ist. Wichtig ist uns, dass die Entscheidung für Assistenz von euch selbst kommt – wir arbeiten ausdrücklich nicht auf Zuweisung durch Dritte ohne eigene Motivation.
Wir arbeiten im Arbeitgeber- oder Dienstleistermodell, überwiegend über das Persönliche Budget nach § 29 SGB IX. Möglich ist auch eine Finanzierung über andere Leistungsträger, zum Beispiel Hilfe zur Pflege nach SGB XII, das Soziale Entschädigungsrecht oder das Integrationsamt für Arbeitsassistenz. Bei Antragstellung oder Umstellung auf das Persönliche Budget unterstützen wir euch dabei, den individuellen Bedarf zu beschreiben und aufzuschlüsseln – damit die Antragstellung nicht zur Überforderung wird.
"Wie wir konzeptionell arbeiten"
Selbstbestimmung ist für uns kein Ziel, das erst erreicht werden muss, sondern ein grundlegendes Recht, das jedem Menschen zusteht. In der Praxis heißt das: Ihr entscheidet, wer euch begleitet, in welcher Form, mit welchen Zielen und in welchem Tempo. Assistenzkräfte werden geschult, eine Haltung des Nicht-Wissens einzunehmen und Unterstützung als Angebot zu formulieren, statt vorwegzunehmen, was „richtig" für euch ist – außer ihr gebt eine Entscheidung bewusst ab.
Bei der Auswahl achten wir auf eine traumasensible Haltung, Selbstreflexion und Abgrenzungsfähigkeit und ausdrücklich nicht auf eine „Retter*innenhaltung". Wenn ihr möchtet, übernehmen wir die Stellenausschreibung und ein Erstgespräch; ihr entscheidet aber selbst, mit wem ein Vertrag zustande kommt. Alle Mitarbeitenden durchlaufen einen Grundkurs aus sechs aufeinander aufbauenden Modulen (von Trauma-Basics über stabilisierendes Arbeiten bis Krisenmanagement und Selbstfürsorge), perspektivisch ergänzt durch Vertiefungskurse.
Der Erstkontakt findet bewusst per Mail statt, um ihn möglichst barrierearm zu gestalten. In einer ersten Antwort erklären wir kurz, wie wir arbeiten, und vereinbaren ein telefonisches oder videotelefonisches Kennenlerngespräch – an dem gerne auch eine Begleitperson teilnehmen darf. Im Gespräch klären wir gemeinsam, was ihr euch von Assistenz erhofft, wie wir arbeiten und ob ein tragfähiger gemeinsamer Weg vorstellbar ist. Erst danach folgt, wenn gewünscht, die gemeinsame Antragstellung.
Wir verstehen uns als lernende Organisation. Mindestens alle sechs Monate finden Reflexionsgespräche mit euch statt – nicht zur Bewertung, sondern um die Zusammenarbeit gemeinsam weiterzuentwickeln. Rückmeldungen sind ausdrücklich erwünscht, von Klient*innen wie von Mitarbeitenden, und fließen in eine strukturierte Dokumentation und in unser Qualitätsmanagement ein. Assistenzkräfte erhalten regelmäßige Supervision, auch zum Schutz vor Sekundärtraumatisierung.
"Vision"
Unsere Gründerin ist selbst komplex traumatisiert und kennt die Bedeutung passender Unterstützung aus eigener Erfahrung. Daraus entsteht eine Haltung, die von Augenhöhe, Menschlichkeit und einem tiefen Verständnis für traumabedingte Lebensrealitäten geprägt ist. Bewerbungen von Menschen mit eigener Erfahrung – sei es psychische Erkrankung, Traumatisierung oder gelebte Erfahrung mit Assistenz – sind ausdrücklich willkommen. Peer-Erfahrung verstehen wir nicht als Schwäche, sondern als Ressource.
Bei der Auswahl achten wir auf eine traumasensible Haltung, Selbstreflexion und Abgrenzungsfähigkeit und ausdrücklich nicht auf eine „Retter*innenhaltung". Wenn ihr möchtet, übernehmen wir die Stellenausschreibung und ein Erstgespräch; ihr entscheidet aber selbst, mit wem ein Vertrag zustande kommt. Alle Mitarbeitenden durchlaufen einen Grundkurs aus sechs aufeinander aufbauenden Modulen (von Trauma-Basics über stabilisierendes Arbeiten bis Krisenmanagement und Selbstfürsorge), perspektivisch ergänzt durch Vertiefungskurse.
Wir verfolgen ein langfristiges, nachhaltiges Wachstum – ohne Abstriche bei Qualität oder traumasensibler Haltung. Geplant sind unter anderem eine traumaspezialisierte Fachberatung, vertiefende Schulungskonzepte sowie stärkere Beteiligungsstrukturen wie ein Betroffenenrat und ein Assistenzrat. Strukturell ist perspektivisch der Übergang von der UG in eine GmbH vorgesehen, sobald wirtschaftliche Tragfähigkeit und Stabilität erreicht sind.
Wir arbeiten traumasensibel, selbstbestimmungsfördernd, zugewandt und professionell. Symptome wie Dissoziation oder Rückzug verstehen wir nicht als „Fehlverhalten", sondern als nachvollziehbare Überlebensstrategien eines belasteten Nervensystems. Unser Ziel ist ein Rahmen, in dem Stabilität, Vertrauen und Selbstbestimmung wachsen können – ohne Druck, ohne Zwang und ohne die Erwartung, „funktionieren" zu müssen.